Lyrische Ich Beispiel Essay

DAS GEDICHT. Zeitschrift für Lyrik, Essay und Kritik
Beschreibung deutsche Literaturzeitschrift
Fachgebiet Lyrik
Verlag Anton G. Leitner, Weßling b. München (Deutschland)
Hauptsitz Weßling
Erstausgabe 1993
Erscheinungsweise jährlich
Verkaufte Auflage 3000–5000 Exemplare
ChefredakteurAnton G. Leitner
Herausgeber Anton G. Leitner

Mitherausgeber:
Ludwig Steinherr (1993)
Markus Bundi (2008)
Friedrich Ani (2009)
Ulrich Johannes Beil (2010)
Arne Rautenberg (2011)
Matthias Politycki (2012)
Michael Augustin (2013)
Hellmuth Opitz (2014)
Kerstin Hensel (2015)
Fitzgerald Kusz (2016)
José F. A. Oliver (2017)
Geschäftsführer Anton G. Leitner
Weblinkdasgedicht.de
ISSN0943-0776

Das Gedicht (Eigenschreibweise: DAS GEDICHT) ist eine seit 1993 jährlich erscheinende Lyrikzeitschrift in Buchformat (Untertitel: Zeitschrift für Lyrik, Essay und Kritik).

Sie wurde von dem Schriftsteller und Verleger Anton G. Leitner zusammen mit Ludwig Steinherr gegründet und von 1994 bis 2007 von Leitner alleine herausgegeben. Seit 2008 wird Das Gedicht von wechselnden Mitherausgebern veröffentlicht.

Da besonders in der Gattung Lyrik der literarische Diskurs im deutschsprachigen Raum in Zeitschriften, Jahrbüchern und Anthologien repräsentativ verhandelt wird, spiegelt Das Gedicht als Phänomen im Literaturbetrieb produktionsästhetische Trends. Darüber hinaus lassen sich aus den einzelnen Ausgaben auch Entwicklungen im rezeptiven Verhalten zur Lyrik bei einem breiteren Publikum ablesen.[1]

Schwerpunkt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Inhalt sind Erstveröffentlichungen älterer bekannter, speziell aber auch jüngerer Autoren, sowie Essays zur Poetologie, dem Formen- und Themenwandel der Lyrik. Seit 2000 widmen sich die jeweiligen Folgen einem Schwerpunktthema (u. a. Erotik, Religion,[2][3] Popkultur, Politik, Kinder, Tiere und Gesundheit). Weiterhin enthalten die buchstarken Ausgaben Kritiken und Kommentare sowie (bis einschließlich Bd. 14) eine Bibliografie zu lyrischen Neuerscheinungen deutschsprachiger Verlage.[4]

Die national wie international vielbeachtete Arbeit der Zeitschrift Das Gedicht wird flankiert von einer breit angelegten Öffentlichkeits- und Pressearbeit, die versucht, die gesellschaftliche Akzeptanz von Poesie in der Gesellschaft zu erhöhen.[5] Somit bewirkt die Zeitschrift einen länderübergreifenden, öffentlichen Diskurs über Lyrik.[6] Das Gedicht erhält in der Regel keine Subventionen aus öffentlichen Mitteln und erhält sich dadurch ihre publizistische Unabhängigkeit.[7][8]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Zeitschrift zählt inzwischen zu den auflagenstärksten Literaturzeitschriften im deutschen Sprachraum. Internationales Aufsehen erregte die Jahresschrift z. B. mit der Liste der Jahrhundertdichter (Ausgabe Nr. 7, 1999/2000), die weltweit millionenfach nachgedruckt wurde.[9][10][11] Anton G. Leitner hatte zur Jahrhundertwende 50 führende Persönlichkeiten aus dem literarischen Leben eingeladen, die nationalen und internationalen Top 100 der Lyrik zu bestimmen.[12][13]

Interventionen wie die TOP-100-Dichter, die Das Gedicht mit einer 50-köpfigen Kommission aus Literaturwissenschaftlern, Lyrikern, Herausgebern und Kritikern ermittelte,[14] führten nicht nur zur internationalen Beachtung der Zeitschrift, sondern machten Das Gedicht zu einem Modell für erfolgreiche Kulturvermittlung.[15] Die Bayerische Staatszeitung hat sich im Hinblick auf Das Gedicht die Frage stellen müssen: „Was ist los mit der lesenden Menschheit? Kann sie plötzlich nicht mehr ohne Gedichte sein?“[16] Der Kritiker Joachim Kaiser sagte im Bayerischen Rundfunk im Hinblick auf die Zeitschrift: „Plötzlich beginnen wir zu ahnen, wie wichtig Lyrik sein kann.“[17]

Schon die erste Ausgabe im Oktober 1993 erfuhr flächendeckende Beachtung (ca. 130 Berichte in Zeitschriften, Zeitungen und Rundfunk) im gesamten deutschsprachigen Raum.[18][19][20][21][22][23][24] Viele Kommentatoren würdigten die konzeptionelle Klarheit sowie die überregionale und generationsübergreifende Orientierung der neuen Zeitschrift.[25] Diese Ausrichtung machte die Zeitschrift zu einem „integrativen“ Medium für zeitgenössische Lyrik.[26] Wie kaum ein anderes Organ für Lyrik konnte Das Gedicht die Diskussion über die Kunst der Poesie bei einer breiteren Leserschaft anfachen. Die Stuttgarter Zeitung schrieb, dass mit dieser Zeitschrift für die Lyrik „eine Spurensuche nach einer neuen Identität“ beginne.[27][28]

Erotik-Special Skandal 2000/2001[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf die Erotik-Ausgabe Bd. 8 der Zeitschrift reagierten im Herbst 2000 Teile des Buchhandels mit einem Verkaufsboykott, weil sie die darin publizierte Liebeslyrik führender deutscher Lyrikerinnen und Lyriker als Pornografie missverstanden. Die Süddeutsche Zeitung schrieb, das Erotik-Special sei „anstößig und dennoch ungewöhnlich authentisch.“[29][30] Zur Innengestaltung des Bandes hatte der Künstler Gerhard Rühm mit „Bildstrophen“ beigetragen.[31][32]

Die Ausgabe erreichte eine Auflage von 10.000 Exemplaren.[33] Das Nachrichtenmagazin Der Spiegel berichtete:

Die Reaktionen von empörten Händlern und selbsternannten Sittenwächtern[36][37][38][39][40] reichten von wüsten Beschimpfungen bis hin zu Morddrohungen gegen den Herausgeber.[41][42][43] Die Redaktion hatte solchen Reaktionen jedoch schon etwas vorgebeugt und der Ausgabe heraustrennbare schwarze Balken als Zensurbalken-Kollektion beigelegt, die erlaubten, anstößige Verse während der Lektüre zu überdecken.[44]

Als sich jedoch mehrere überregionale Medien (u. a. ZDF, PRO 7, RTL, Bild,[45] Spiegel-Online, Süddeutsche Zeitung sowie der Videotext des Bayerischen Rundfunks) hinter Leitners erotische Auswahl stellten, avancierte die Folge zur Kultnummer.[46][47] Das Münchner Nachrichtenmagazin Focus platzierte die Nummer auf Platz 41 in seinem Ranking „Die 100 besten Bücher“ (vgl. Focus Nr. 42/2000),[48] der Westdeutsche Rundfunk sendete jeden Tag ein erotisches Gedicht aus dem Erotik-Special von Das Gedicht und Lilo Wanders rezitierte daraus in ihrer Sendung Wa(h)re Liebe.

Poesie in der Öffentlichkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von der ersten Ausgabe an war der Kreis um Das Gedicht bestrebt, Lyrik im gesellschaftlichen Kontext zu sehen.[49] So legten die Herausgeber der ersten Ausgabe 1993 eine Sonderbeilage zum Thema Gedichte und Stasi bei.[50][51]

In Zusammenarbeit mit dem Literaturwissenschaftler Ulrich Johannes Beil regte Das Gedicht eine Debatte über die Frage „Gibt es ein europäisches Gedicht?“ an.[52][53] Neben Übersetzungen aus z. B. dem Englischen, Spanischen, Griechischen beleuchtet die Zeitschrift regelmäßig die deutschsprachige Lyrik außerhalb Deutschlands.[54] Gleichzeitig belebt die Zeitschrift immer wieder eine produktive Streitkultur unter Dichtern; so beteiligten sich Durs Grünbein, Walter Höllerer und Jürgen Becker an der Diskussion langes oder kurzes Gedicht.[55][56] Der Kritiker Joachim Kaiser vom Bayerischen Rundfunk legte den Schwerpunkt einer Rundfunksendung auf diese Diskussion (Bayern2Radio).[57]

Im Oktober 1999 forderte Anton G. Leitner im Namen der Redaktion Das Gedicht in einer öffentlichen Erklärung die Aberkennung des Doktortitels der Germanistin Elisabeth Frenzel, die das Standardwerk Daten deutscher Dichtung verfasste, weil ihre Doktorarbeit „antisemitische Tendenzen“ enthalte.[58]

Es entbrannte eine heftige Diskussion, an der sich auch der Präsident der Humboldt-Universität zu Berlin beteiligte.[59] „Wir würden uns damit in die unrühmliche Tradition des Nationalsozialismus stellen, als aus rassischen oder politischen Gründen akademische Titel aberkannt wurden“, erklärte er. Die Süddeutsche Zeitung machte dieses Argument „ratlos“. „Das darf hier kein Argument sein“, so das Blatt (SZ 14. Oktober 1999). Anton G. Leitner erhielt durch diese Kontroverse anonyme Drohbriefe mit antisemitischem Inhalt.[60][61]

Ein ähnliches Engagement entwickelte die Redaktion unter Anton G. Leitner im Hinblick auf die SS-Mitgliedschaft von Günter Grass im Jahre 2006. Leitner hatte den Nobelpreisträger aufgefordert, den Bucherlös für sein autobiographisches Werk Häuten der Zwiebel den Opfern der Waffen-SS zu stiften. Leitner sagte der Süddeutschen Zeitung: Grass könne „auf denkbar einfache Weise zeigen, dass er in keiner Weise materiell von der Enthüllung der SS-Zugehörigkeit profitieren wolle.“[62]

Neben solchen Debatten engagiert sich Das Gedicht immer wieder durch vielfältige Aktionen in der Vermittlung und Wahrnehmung von Dichtung in der Öffentlichkeit und gestaltet somit aktiv die literarische Kultur im deutschsprachigen Raum mit.[63] So wurden beispielsweise millionenfach Brottüten und Zuckerpäckchen mit Versen bedruckt: „Kristall gegen die Lebensbitternis.“[64]

Internationales Gipfeltreffen der Poesie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 23. Oktober 2012 feierte die Zeitschrift ihre Jubiläumsausgabe Band 20 mit einem Lesungsabend unter dem Titel Internationales Gipfeltreffen der Poesie im Literaturhaus München.[65][66][67] Im Rahmen dieser Veranstaltung lasen 60 namhafte Dichter aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und Luxemburg, u. a. Friedrich Ani, Ulrike Draesner, Franz Xaver Kroetz, Paul Maar, Matthias Politycki, Said, Joachim Sartorius und Robert Schindel. Die Veranstaltung wurde vom Bayerischen Rundfunk aufgezeichnet, die erste Ausstrahlung im Fernsehen erfolgte am 12. Januar 2013 auf BR-alpha in der Sendereihe Denkzeit (156 Sendeminuten).[68]

Internationale Ausgabe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zusammen mit Paul-Henri Campbell als Mitherausgeber und Übersetzer startete die Redaktion Das Gedicht im Januar 2014 erstmals eine internationale Ausgabe in englischer Sprache: Das Gedicht chapbook. German Poetry Now.[69] Die erste Nummer (Vol. 1: Pegasus & Rosinante. When Poets Travel.) basiert auf Band 21 der Hauptausgabe und enthält etwa die Hälfte von deren Texten, u. a. Gedichte von Günter Kunert, Helmut Krausser, Tanja Dückers, Matthias Politycki und Jan Wagner. Sie erschien als Printausgabe und E-Book.[70]

2016 folgte die zweite internationale Ausgabe (Vol. 2: Lustful Things – Geile Sachen) mit neuem Konzept: Der Band enthält alle in der gleichnamigen Online-Anthologie auf DAS GEDICHT blog erschienenen Gedichte sowohl auf Englisch als auch auf Deutsch.[71]

Einführung der Online-Redaktion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben der schon 1995 eingerichteten Webseite der Zeitschrift betreibt der Verlag seit Oktober 2009 auf YouTube einen eigenen Kanal für Lyrik-Clips („dasgedichtclip“)[72] mit Live-Mitschnitten von Lesungen. Im Jahr 2012 startete zur Jubiläumsausgabe Band 20 ein begleitendes Weblog („dasgedichtblog“) mit Informationen zur Jubiläumsausgabe und Veranstaltungen im Jubiläumsjahr.[73][74] Auf „dasgedichtblog“ wurde außerdem ein Register aller Beiträge der Ausgaben 1 bis 21 veröffentlicht. Der Blog begleitet und ergänzt die Druckausgabe der Zeitschrift auf vielfältige Weise. Die Folge 21 (Pegasus & Rosinante. Wenn Poeten reisen.) z. B. wurde mit multimedialen Beiträgen zur Geschichte der Reisepoesie vorbereitet, die Paul-Henri Campbell kuratierte. Zudem werden hier auch eigenständige Gedicht-Sammlungen, sogenannte Online-Anthologien, veröffentlicht. Beispiele hierfür sind "Wenn Liebe schwant", eine Sammlung erstveröffentlichter komischer Liebesgedichte, und "Vom Leder gezogen – zur Fußball-WM 2014 in Brasilien", beide 2014 herausgegeben von Jan-Eike Hornauer.

In seiner Funktion als Verantwortlicher für den Videokanal „dasgedichtclip“ initiierte Gedicht-Herausgeber Anton G. Leitner zusammen mit der medienakademie München und anderen Institutionen wie der Stiftung Lyrik Kabinett das „1. Poesiefilmfestival München – Goethe Goes Video“ (Februar 2014).[75]

Auszeichnungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Sprudelnder Quell des Anstoßes. Artikel, Süddeutsche Zeitung, 26. Januar 2011.
  2. Dichtung und Religion sind aus demselben Holz geschnitzt. In: Sonntagsblatt – Evangelische Wochenzeitung für Bayern, 14. Mai 2002.
  3. Wo bleibt jetzt der Heiligenschein? Interview, Publik-Forum, 14. November 2001.
  4. Das Gedicht. Artikel, Basler Zeitung, 19. November 1993.
  5. Deutschland als Lyrikstandort. Nachrichtenbeitrag, Die Welt 3. September 1996.
  6. Die Sprache - Das Haus der Dichter. Rezension, Deutsche Tagespost, 25. Februar 1997: „Die von Anton G. Leitner seit 1993 herausgegebene Lyrik-Zeitschrift zählt ohne Zweifel zu den wichtigsten Publikationen des deutschen Literaturbetriebs, die sich der Gattung Lyrik angenommen haben.“ (S. 10).
  7. Zerstreute Gedichte wieder eingesammelt. Der Weßlinger Lyriker Anton G. Leitner verschafft sich einen Überblick über sein Werk in 25 Jahren. Artikel, Süddeutsche Zeitung, 16. Juni 2006.
  8. Klartext statt Volltext. Branchenträger: Der Deutsche Literaturfonds in der Kritik. Artikel, Süddeutsche Zeitung, 1./2. April 2006.
  9. Die besten Lyriker des Jahrhunderts. Artikel, Salzburger Nachrichten, 29. September 1999.
  10. Lyriker spielen um den Aufstieg. Artikel, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23. September 1999.
  11. NERUDA ENTRE LOS DIEZ POETAS MAS IMPORTANTES DEL SIGLO. Artikel, EFE, 21. September 1999.
  12. Poesie und empirische Sozialforschung. Die Zeitschrift „Das Gedicht“ präsentiert ihre Millenniums-Edition, Artikel, Passauer Neue Presse, 28. Oktober 1999.
  13. Un ranking de poetas del siglo fecha de publicion. Artikel, La Nación, 27. September 1999: „Warum mit Dichtern nicht das tun, was auch mit Filmstars, Millionären und Fußballspielern veranstaltet wird? […] Außer Borges wurden auch Roberto Juarroz (58), Alejandra Pizarnik (72) und Olga Orozco (89) in die Wertung aufgenommen. Diese Anerkennung der argentinischen Lyrik kann nicht weniger als zufriedenstellen.“
  14. Die Lyriker des Jahrhunderts. Zeitschrift kürte Gottfried Benn und Ezra Pound, Artikel, Hamburger Abendblatt, 22. September 1999.
  15. Selbstmord vor einem geisterhaften Publikum. Im literarischen Dauerlauf: Die Lyrik-Zeitschrift „Das Gedicht“, Artikel, Sächsische Zeitung, 11. September 1996.
  16. Die schönsten Verse der Menschen. Artikel, Bayerische Staatszeitung, 10. Dezember 1999.
  17. ↑Zeitschriftenschau, Hörfunkbeitrag, Bayerischer Rundfunk, Sendung vom 24. September 1996, 22:20 Uhr.
  18. Gelungenes Gedicht. Artikel, Süddeutsche Zeitung, 8. November 1993.
  19. Wagnis Gedicht. Artikel, General-Anzeiger (Bonn), 4. November 1993.
  20. Rettung für eine „bedrohte Gattung“. Artikel, Nordkurier, 30. Oktober 1993.
  21. Gegenwartslyrik. Erstes Heft „Das Gedicht“. Artikel, Nordkurier, 15. Oktober 1993.
  22. Das Gedicht. Artikel, Frankfurter Neue Presse, 6. Oktober 1993.
  23. Interview mit Anton G. Leitner. Rundfunkbeitrag, Deutsche Welle, Sendung vom 18. Oktober 1993.
  24. Gute Zeiten für Lyrik. Artikel, Neue Zürcher Zeitung, 25. November 1993.
  25. Das Gedicht. Artikel, Der Literat, 35. Jg. Nr. 10/1993.
  26. Poesiezeitschriften. Artikel, Das Goetheanum. Wochenzeitschrift für Anthroposophie, 14. November 1993.
  27. Gegenwartslyrik. Erstes Heft „Das Gedicht“, Stuttgarter Zeitung, 15. Oktober 1993.
  28. Das Gedicht. Artikel, Süddeutsche Zeitung, 8. September 1993.
  29. Erotik und Pornographie. Artikel, Süddeutsche Zeitung, 7. Juli 2000.
  30. Der Böse Reim auf Öse. Ein Gedichtband aus Weßling erregt die Republik, Artikel, Süddeutsche Zeitung, 26. September 2000.
  31. Ein lyrisches Symphonieorchester. Artikel, Münchner Merkur, 23. Januar 2008.
  32. Umschlagfoto sorgt für Wirbel. Artikel, Münchner Merkur, 26. September 2000.
  33. Goldener Heiligenschein. Artikel, Der Spiegel, 16. Juli 2001.
  34. Aufregung wegen Sex-Gedichten. Pfarrer Kurt Marti schreibt im Erotik-Special, Blick (Zeitung), 30. September 2000.
  35. Erotische Lyrik im Kreuzfeuer: Lieber Weißbier als erregendes Vorspiel. Artikel, Der Spiegel, 25. Januar 2000.
  36. Buchhändler irritiert über Erotik-Ausgabe. Artikel, Der neue Tag, 7. Oktober 2000.
  37. Erotik in Versen. Artikel, Kölner Stadt-Anzeiger, 5. Oktober 2000.
  38. Buchhändler gegen Erotik. Artikel, Stuttgarter Nachrichten, 27. September 2000.
  39. ↑Annahme erotischer Lyrik verweigert. Artikel, Kieler Nachrichten, 26. September 2000.
  40. Buchhändler weisen erotische Lyrik zurück. Artikel, Leipziger Volkszeitung, 26. September 2000.
  41. Das Gedicht Nr. 8: Vom Minnesang zum Cybersex. Geile Gedichte. Pressespiegel, Anton G. Leitner Verlag, 2000.
  42. Das Schwein im Reim. Artikel, Süddeutsche Zeitung, 7. Oktober 2000.
  43. Erotik kommt nicht ins Haus. Artikel, Neue Presse, 26. September 2000.
  44. Schwarze Balken. Pressemitteilung, Department für öffentliche Erscheinungen, 1. Oktober 2000.
  45. Erotische Lyrik: Aufregung, weil Dichter das Spiel 69 erklären. Artikel in der Bundesausgabe, Bild (Zeitung), 27. September 2000.
  46. ↑Matthias Koeppel: Wahre Liebe.Die Zeit, 5. Oktober 2000.
  47. Leitners Gedichtband vergriffen. Empörung über Cover-Foto puscht Erotik-Special.Münchner Merkur, 4. Oktober 2000.
  48. Focus Nr. 42/2000 - Die 100 besten Bücher. Zeitschriftenartikel, Focus, 16. Oktober 2000.
  49. Wie man aus Bayern die Republik mit Lyrik aufmischt: Anton G. Leitner im Gespräch. Luxemburger Tageszeitung, Tageblatt, 22. August 2008.
  50. DAS GEDICHT, Band 1: Lyrik und Stasi. Verlagsseite, Anton G. Leitner Verlag, 1. Oktober 1993.
  51. Stasi-Spitzel in Darmstadt. Artikel, Darmstädter Echo, 4. Oktober 1993.
  52. Das Gedicht Band 5: Das Gedicht in Europa. Verlagsseite, Anton G. Leitner Verlag, 1. Oktober 1993.
  53. Die lyrische Existenz. Feuilleton, Süddeutsche Zeitung, 31. Oktober / 1. November 1997.
  54. Au revoir et à bientôt. Gretchen. Die Luxemburger Lyrikszene in „Das Gedicht.“ Artikel, Lëtzebuerger Journal, 12./13. Oktober 1996.
  55. Der Wahrheit letzter Ort. Warum Autoren Lyrik machen. Artikel, Westdeutsche Allgemeine Zeitung, 24. Oktober 1996: „Warum aber schreiben Autoren Lyrik, von der die wenigsten trotz des Booms leben können? Das jüngste Heft von ‚Das Gedicht‘ hat junge und ältere Schriftsteller nach ihrem Impetus und Selbstverständnis befragt. Die Antworten steckten zugleich die formale und thematische Vielfalt zeitgenössischer Poesie ab.“
  56. Voll im Trend. Feuilleton. Süddeutsche Zeitung, 6. September 1996: „Mit dieser Debatte dürfte sich die Zeitschrift wohl endgültig zum Forum aktuellen Denkens über Gedichte entwickeln und einigen Wind in die Behäbigkeit der Schreibenden bringen. Denn wie meint der Lyriker Senocak in seiner Antwort richtig: Dichter flüchten sich zunehmend in Nischen. Das tut weder ihrer Poesie noch ihrem Portemonnaie gut.“
  57. Zeitschriftenschau. Hörfunkbeitrag, Bayerischer Rundfunk, Sendung vom 24. September 1996, 22:20 Uhr.
  58. Streit um antisemitische Arbeit. Artikel, Frankfurter Rundschau, 13. Oktober 1999.
  59. Die Antisemitin. Artikel, Süddeutsche Zeitung, 13. Oktober 1999.
  60. Keine juristische Handhabe. Warum die HU-Germanistin Frenzel ihren Doktortitel weiter führen darf. Artikel, Berliner Morgenpost, 20. Oktober 1999.
  61. Wo ist die Doktorhutablage? Artikel, Süddeutsche Zeitung, 14. Oktober 1999.
  62. Leitner fordert Grass-Spende. Feuilleton, Süddeutsche Zeitung, 18. August 2006.
  63. Ein lyrisches Symphonieorchester. Artikel, Münchner Merkur, 23. Januar 2008.
  64. Erkenne die Tüte. Feuilleton, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20. Dezember 1999.
  65. Zentralorgan der Realpoesie. Artikel, Die Welt, 16. Oktober 2012.
  66. Die Zeitschrift DAS GEDICHT feiert 20-jähriges Bestehen. Artikel, Abendzeitung, 16. Oktober 2012.
  67. 20 Jahre die Literaturzeitschrift Das Gedicht. Artikel, Die Neckarquelle, 16. Oktober 2012.
  68. 20 Jahre Literatur Zeitschrift Das Gedicht. Artikel, Focus Online, 21. Oktober 2012.
  69. ↑World Literature Today, Nota Bene, Das Gedicht Chapbook. German Poetry Today [1] |"Pegasus & Rosinante presents a selection of German poems and essays translated into English. Emerging and already established writers are revealed in this sleek volume. Inspired by its predecessor of twenty-one years (Das Gedicht), this first English edition showcases a rare and living assortment of voices writing in the German language."
  70. Das Gedicht chapbook. German Poetry Now.
  71. Lustful Things – Geile Sachen (German Poetry Now)
  72. Das Gedicht / dasgedichtclip.de. Webseite, Anton G. Leitner Verlag, 2000.
  73. Das Gedicht / Webseite von dasgedichtblog.de. Webseite, Anton G. Leitner Verlag, 2000.
  74. Interaktives Dichten auf der Homepage. Nachrichtenartikel, Süddeutsche Zeitung, 18. November 1997.
  75. Goethe Goes Video – 1. Poesiefilmfestival München, Veranstalter Webseite, 2014.
  76. ↑Kulturpreis der Stiftung Lesen für den Anton G. Leitner Verlag, Bayerische Staatszeitung, 8. November 1996.
  77. ↑Die Lyrik-Zeitschrift Das Gedicht erhält Victor-Otto-Stomps-Preis, Nachrichtenmeldung, Neue Zürcher Zeitung, 22. Mai 1997: „Die Presse lobt das klug durchdachte Konzept der Zeitschrift, spricht von ihr als einem Forum aktuellen Denkens über Gedichte, charakterisiert ‚Das Gedicht‘ als Panorama aktueller deutscher Poesie.“
  78. Schlechte Zeiten für Lyriker. Akademische Vorlesungen zur Kogge-Tagung, Mindener Tageblatt, 30. September 1996.
  79. ↑Udo Watter: Tassilo-Preis: Würdigen und Ermutigen. In: sueddeutsche.de. ISSN 0174-4917 (sueddeutsche.de [abgerufen am 30. Juni 2016]). 
  80. ↑Sabine Reithmaier: SZ-Kulturpreis: Welche Künstler mit dem Tassilo ausgezeichnet werden. In: sueddeutsche.de. ISSN 0174-4917 (sueddeutsche.de [abgerufen am 30. Juni 2016]). 

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Gedicht Bd. 8: Vom Minnesang zum Cybersex - geile Gedichte

„Ein Buchladen in Mainz lehnte die Zeitschrift mit der Begründung ab, dass der ‘Dom nicht weit sei’. In Münster wurde die Annahme von zehn bestellten Exemplaren verweigert, ein anderes Geschäft schickte die Bände gleich zurück. In Dachau empörte sich ein Dichter derart über die Verse, dass er an den Verleger schrieb, er wolle sein Geld künftig lieber in ein zusätzliches ‘Tragl’ Weißbier investieren, als einen Gedichtband zu kaufen. Eine Buchhändlerin erklärte schlicht, sie könne das ‘Erotik-Special’ in ihrem Geschäft nicht auslegen. Der Schweizer Dichter und reformierte Stadtpfarrer Kurt Marti,[34] selbst mit einem erotischen Gedicht in dem Band vertreten, äußerte sich amüsiert über den ‘höchst vielschichtigen Gedichtband’.[35]

Anonymer Anrufer hinterlässt Drohrede
Feinzucker der Firma HELLMA mit Versen bedruckt

Gedichtanalyse schreiben: Struktur, Beispiele und die besten Tipps

Lyrik zeichnet sich dadurch aus, dass die Sprache darin anhand verschiedenster Kunstmittel andersartig geformt ist als Alltagssprache. In der Gedichtanalyse gilt es, diese formalen Merkmale zu finden und zu beschreiben. Darüber hinaus kann man sich durch die Analyse der sprachlichen Mittel einer möglichen Aussage des Gedichts annähern. Die „einzig richtige“ Bedeutung muss es nicht geben. Doch solange du in der Gedichtsanalyse deine Interpretation am Text belegen kannst, bist du auf der sicheren Seite.

Inhalt

Die Analyse kann der folgenden Form entsprechen. Falls dir in deiner Lehrveranstaltung eine andere vorgegeben wurde, halte dich an diese.

Folgendes Gedicht dient uns als Analysebeispiel. Auf das Gedicht bezogene Fallbeispiele sind im folgenden Text kursiv gehalten.

Sie hängen sie an die Leiste,
die Teppiche klein und groß,
sie hauen, sie hauen im Geiste
auf ihre Herrschaft los.

Mit einem wilden Behagen,
mit wahrer Berserkerwut,
für eine Woche voll Plagen
kühlen sie sich den Mut.

Sie hauen mit splitternden Rohren
im infernalischen Takt.
Die vorderhäuslichen Ohren
nehmen davon nicht Akt.

Doch hinten jammern, zerrissen
im Tiefsten, von Hieb und Stoß,
die Läufer, die Perserkissen
und die dicken deutschen Plumeaus.

Mägde am Sonnabend (Christian Morgenstern)

Vorbereitung zur Gedichtsanalyse

Vor der Gedichtsanalyse steht mehrmaliges aktives Lesen

Lerne das Gedicht vor der Gedichtsanalyse zunächst gut kennen, indem du es mehrfach liest. Nummeriere die Zeilen. Schreibe dir die Bedeutungen unbekannter Wörter heraus – historische Wörterbücher stehen in Bibliotheken, es gibt aber auch entsprechende Online-Angebote, die von Universitäten betrieben werden. Hier sind auch Konnotationen zu finden, die das Wort mitunter zu verschiedenen Zeiten hatte. Notiere dir erste Eindrücke beim Lesen.

Erst dann geht es an die systematische Analyse, die in Einleitung, Hauptteil und Schluss unterteilt ist.

Einleitung der Gedichtsanalyse

Prüfen des Paratext

Der Paratext ist alles, was das Gedicht direkt umgibt, aber nicht Teil davon ist. Gibt es einen expliziten Hinweis auf die Art des Gedichts, als Überschrift, als Genrebezeichnung der Sammlung, dem das Gedicht angehört oder aufgrund formaler Merkmale des Aufbaus? Schaue dir dafür typische Gedichtformen an und vergleiche das vorliegende damit.

Benenne und begründe in deiner Gedichtsanalyse eventuelle Übereinstimmungen mit einer dieser Formen. Wird vielleicht absichtlich mit der zugrundeliegenden typischen Form gespielt und darauf aufbauend davon abgewichen? Diese Informationen gehören in die Einleitung, zusammen mit Autornamen, Titel, Thematik, Entstehungsdatum und –Ort, sowie die Zuordnung in eine Epoche. Wird das Gedicht in der ersten Person gesprochen, handelt es sich hierbei um das Lyrische Ich.

Das Gedicht „Mägde am Sonnabend“ von Christian Morgenstern (1871-1914 ) wurde als Teil des 1932 postum veröffentlichten Gedichtbandes „Alle Galgenlieder“ herausgegeben. Hier wurde es den „Zeitgedichte(n)“ zugeordnet. Im Rahmen anderer Veröffentlichungen wurde es auch „Berliner Mägde am Sonnabend“ genannt. Literaturgeschichtlich wird Morgenstern in die „Lyrik um 1900“ eingeordnet. Hier ist er eher eine außenstehende Figur in Relation zu den Lyrikern des Impressionismus.

Beachte und beschreibe, ob es Hinweise im Gedicht auf die raumzeitlichen Koordinaten gibt, in der das Gedicht geäußert wird. Das können Hinweise auf die Umgebung sein, aber auch Verweise auf etwas, das in der Vergangenheit geschehen ist.

Durch den Titel „(Berliner) Mägde am Sonnabend“ erlangt der Leser schon einmal zwei pragmatische Indikationen. Dass sich die Szene der Mägde am Sonnabend in Berlin abspielen soll, wie der manches Mal modifizierte Titel besagt, unterstreicht die örtliche Aufteilung des im Gedicht repräsentierten Geschehnisses aufgrund der häufig auftretenden Berliner Häuserblockaufteilung in Vorderhaus und Hinterhof.

Aufstellung einer Interpretationshypothese

Überdies kannst du noch eine allgemeine Interpretationshypothese aufstellen: Was sagt das Gedicht deines Erachtens aus? Diese kannst du im Interpretationsteil bestätigen oder widerlegen und im Schluss explizit darauf zurückkommen.

In dem Gedicht werden zwei Gesellschaftsschichten einander gegenübergestellt. Hierzu verwendet Morgenstern die Arbeit von Mägden, die die Hausarbeit für höher gestellte Familien erledigen. Die Grobheit, mit der die Mägde im Hof des Hauses die Arbeit erledigen, erinnert an die Gewalt im Klassenkampf der Französischen Revolution. Diese wird jedoch ins Lächerliche gezogen, da die „revolutionäre Energie“ beim Schlagen der Teppiche „abkühlt“ und es somit nicht zur aktenrelevanten Tat kommt. Problematisiert wird trotzdem die Ausdifferenzierung von Proletariat und Bürgertum in den Städten in der Folge der Industrialisierung und Urbanisierung.

Hauptteil der Gedichtsanalyse

1. Formale Analyse

Beschreibe zunächst die allgemeine Form des Gedichts. Ist es in Strophen eingeteilt? Wenn ja, wie viele Verse haben diese?

Das Gedicht „Mägde am Sonnabend“ besteht aus vier Strophen, die sich aus vier Zeilen zusammensetzen.

2. Lautliche Ebene

Reimschema

Beobachte die Klangstruktur: Sind am Ende der Zeilen Endreime zu finden? Befinden sich innerhalb einer Zeile sogenannte Binnenreime? Stellen sie im Hinblick auf die Strophe oder das gesamte Gedicht ein regelmäßiges Reimschema dar? Um das herauszufinden, hilft es, den verschiedenen Endreimen einen Buchstaben zuzuweisen.

Sie hängen sie an die Leiste, A
die Teppiche klein und groß, B
sie hauen, sie hauen im Geiste A
auf ihre Herrschaft los. B

Mit einem wilden Behagen, C
mit wahrer Berserkerwut, D
für eine Woche voll Plagen C
kühlen sie sich den Mut. D

In unserem Gedicht bilden die Verse das Reimschema ABAB, CDCD, EFEF, GHGH. Damit handelt es sich bei jeder Strophe um einen Kreuzreim.

Assonanzen heißen parallele Klangfolgen beispielsweise am Anfang und am Ende einer Zeile, aber auch am Ende von Zeilen. Bei Morgenstern besteht eine Assonanz zwischen Zeile 13 und 14: In „zerrissen im Tiefsten“ wiederholen sich i und e in den beiden letzten Silben des ersten und letzten Wortes.
Auch die Alliteration, der Gleichklang am Beginn von Wörtern, ist ein Mittel, dessen sich ein Dichter bedienen kann, um die Klangstruktur zu gestalten.

In Strophe zwei von „Mägde am Sonnabend“ fallen zwei Alliterationen auf, die zwei Verse miteinander verbinden: In „wilden Behagen“ und „wahrer Berserkerwut“ beginnen Adjektive und Substantive jeweils mit dem gleichen Buchstaben. Dieser syntaktische Parallelismus, der lautlich verstärkt wird, markiert jedoch ein Vertauschen der Adjektive und Subjekte: Wilde Berserkerwut und wahres Behagen könnte man eher zusammenfügen, da sie einmal das Merkmal „animalisch“ gemein haben, letzterer Ausdruck die Merkmale „zivilisiert, tugendhaft“ als Verbindung hat.

Eine direkte Alliteration finden wir in der letzten Zeile: „dicken deutschen Plumeaus“. Damit wird die Adjektivkombination „dicken deutschen“ miteinander verbunden und etwas von dem Subjekt „Plumeaus“ losgelöst, das sie eigentlich spezifizieren. Damit wird noch einmal verdeutlicht, dass die Haushaltstextilien für die möglicherweise ebenso wohlgenährten „Herrschaften“ stehen, auf die die Mägde wütend sind.

Rhythmusstruktur

Der Rhythmus besagt, wie die Betonungen innerhalb eines Gedichts verteilt sind.
Betonte (Hebungen genannt, notiert als ´x oder als kleiner Bogen, ähnlich einem „u“ ) und unbetonte Silben (Senkungen, notiert als x oder _ ) wechseln sich ab. Dies nennt man Versmaß oder Metrum. Stelle den Rhythmus fest, indem du das Gedicht laut vorliest. In der Tradition der Lyrik gibt es Formen, die sich durch bestimmte rhythmische Merkmale auszeichnen. Sie können konsequent angewendet oder freier interpretiert werden. Die Enden der Verse werden „Kadenzen“ genannt. Weibliche Kadenzen enden auf einer unbetonten Silbe, männliche auf einer betonten.

Mache durch die oben beschriebene Notation das Versmaß für dich sichtbar. Wenn es Übereinstimmungen mit klassischen Versmaßen gibt, benenne diese in deiner Gedichtsanalyse.

Stelle fest, ob mit den (Binnen-)Reimen, Kadenzen, Strophenanfängen und Enden sowie übereinstimmende Metren auch gleiche Bedeutungen einhergehen.

Das Gedicht von Morgenstern hat aufgrund der vierzeiligen Strophen mit sich abwechselnden weiblichen und männlichen Kadenzen am Versende die Gestalt eines Volksliedes. Es handelt sich um dreihebige Verse, die bis auf drei Zeilen (8, 12 und 16) mit Jamben beginnen. Damit unterstützt die volkstümliche Form die rustikale Herkunft und rhythmische Art der Mägde, mit der sie die feinen Heimtextilien „pflegen“.

3. Syntaktische Ebene

Metrik und Syntax können zusammenspielen oder einander entgegenwirken. Rhythmus kann auch durch eine Reihe ähnlich beginnender Sätze entstehen.

In „Mägde am Sonnabend“ finden wir syntaktisch gleichgebaute Verse in der ersten Strophe: Die Satzanfänge „Sie hängen“ (1) und „sie hauen“ (3), letzterer nach dem Komma sogar wiederholt auftretend, lassen die Mägde mehrmals als aktive Subjekte auftreten. Währenddessen sind „Teppiche“ und „Herrschaften“ in den Zeilen drei und vier erleidende Objekte.

Außerdem gibt es rhetorische Figuren, die auf Satzebene agieren.

Zu Beginn der zwei ersten Zeilen von Strophe zwei finden wir das Wort „mit“. Diese Parallele unterstützt die bereits oben erwähnten Konstruktionen „wilden Behagen“ und „wahrer Berserkerwut“.

4. Bedeutungsebene / Semantische Ebene

Beschreibe die Gesamthandlung. Handelt es sich bei den Wörtern um abstrakte Begriffe oder werden konkrete Dinge benannt? Werden durch die Wörter Sinneseindrücke vermittelt?

Am Sonnabend klopfen die Mägde Teppiche und Bettzeug im Hinterhof der Haushalte aus, bei deren Besitzer sie angestellt sind. Den Verdruss über die „Plagen“ der Arbeit lassen sie an den Heimtextilien aus. Ihren Unmut übermitteln sie aber nicht an ihre „Herrschaft“, noch bemerken die etwas davon. Die Leidtragenden sind am Ende lediglich Kissen und Läufer.

Was bezeichnen die Wörter (Denotation) und welche Konnotationen schwingen mit? Hier könnte man auch noch die zu Anfang nachgeschlagenen Wörter und ihre verschiedenen Bedeutungen anführen.

Isotopie-Ebenen suchen

Mit dieser Vorgehensweise kannst du verschiedene Bedeutungsebenen in Gedichten feststellen. Wird durchgehend ein bestimmtes Merkmal durch die Worte im Gedicht aktiviert, bildet sich dadurch eine homogene Isotopie-Ebene, die durch ein dominant gesetztes semantisches Merkmal wie eine Überschrift (Klassem) tituliert werden kann. Es können sich auch zwei gegensätzliche Ebenen bilden.
Um eine Isotopie-Ebene festzustellen, kannst du die Wörter, die einem bestimmten Klassem zugehören, in einer Farbe markieren. Fällt dir ein anderes auf, markiere es mit einem anderen Stift. So kannst du feststellen, wie sich die Isotopien über das Gedicht verteilen. Wenn Wörter verschiedenen Isotopien gleichzeitig zugeordnet werden können, entsteht Mehrdeutigkeit.

Bei Morgenstern sind gegensätzliche Klasseme „menschlich“ (klein und groß, Herrschaft, Ohren, jammern, im Tiefsten, Perser-, dick, deutsch) und „gegenständlich“ (Teppiche, vorderhäuslich, Läufer, zerrissen, -Kissen, Plumeaus). Das häufige Zusammenfügen dieser unterschiedlich konnotierten Worte (Teppiche klein und groß; zerrissen im Tiefsten; Perser-kissen; dicken deutschen Plumeaus) erzeugt die Personifikation der Gegenstände.

Als dominante Opposition könnte aber Behagen / Berserkerwut gesehen werden, denn diese Wörter werden durch einige formale Mittel hervorgehoben. Ihnen können auch jeweils die mit „Gewalt“ und mit „häuslicher Gemütlichkeit“ assoziierbaren zwei Gesellschaftsschichten Arbeiter versus Bürgertum gleichgestellt werden, die sich durch das ganze Gedicht zieht. Mit „Gewalt“ konnotierte Wörter sind: Hängen, hauen (2x), wild, Mut, splitternd, Rohren, infernalischen, Takt, jammern, zerrissen, Hieb, Stoß. Unter häuslicher Gemütlichkeit sind auch die unter „gegenständlich“ weiter oben erwähnten Worte zu fassen.

Auf der Bedeutungsebene des Gedichts sind auch die rhetorischen Figuren angesiedelt. Versuche für deine Gedichtsanalyse herauszufinden, ob du Figurenarten erkennen kannst.

Der Ausdruck „vorderhäusliche Ohren“ ist eine Metonymie, denn anstatt der eigentlich gemeinten Personen werden ihre Ohren benannt sowie der Wohnort der bürgerlichen Familien, das Vorderhaus.

Stilistisch differiert der Ausdruck „Akt nehmen“ in Zeile zwölf mit dem Rest des Gedichts. Während es hier um den privaten Bereich einer Familie und deren Hausangestellten geht, wird durch die „Akten“ eine behördliche Konnotation eingefügt. Gemeinsam mit der rechtlichen Dimension des Wortes „Mut“ im Sinne von Mutwille und im Kontexte der Aggressionen, die an den Haushaltsgegenständen ausgelebt wird, wird auch die drohende Bestrafung im Fall dessen angesprochen, dass die Gewalt ausbrechen würde.

Schluss / Fazit der Gedichtsanalyse

Zum Schluss deiner Gedichtanalyse greifst du noch einmal deine Analysehypothese auf und begründest oder widerlegst sie anhand der von dir bearbeiteten Unterpunkte oder Ebenen. Dabei fasst du noch einmal kurz zusammen, was du im Hauptteil herausgefunden hast.

Durch verschiedene formale und semantische Mittel spitzt Morgenstern die Reibung zwischen Bürgertum und Arbeiterklasse zu. Durch die Kulmination des Leids der Kissen und Läufer in der letzten Strophe weist er auf die erst kürzlich entstandene Vorrangstellung des Bürgertums gegenüber der Arbeiterklasse hervor: Würde das materielle Wohlergehen des Bürgertums nicht bestehen, gäbe es zwischen ihnen und ihren Angestellten keinen Unterschied.

(16 votes, average: 4,13 out of 5)
Loading...

0 thoughts on “Lyrische Ich Beispiel Essay”

    -->

Leave a Comment

Your email address will not be published. Required fields are marked *